Die Milchmädchen, das Geld und das Netz: MUSE NET geht online

Es waren einmal ein paar Milchmädchen, die mochten schöne Kleider. Und weil sie auch gerne schrieben, schrieben sie eben viel über schöne Kleider. Und viele andere lasen das sehr eifrig. Aber irgendwann bemerkten die Milchmädchen, dass sie sich davon keine schönen Kleider kaufen konnten. Da schlossen sie sich zusammen. Im MUSE NET.

fashionpuppe.comi love Ponystea&twigs und auch This is Jane Wayne waren gerade für die letzten 24 Stunden nicht lesbar. Blockiert durch ein mysteriöses M. Jetzt sind sie wieder auferstanden. Warum mich das interessiert? Nicht etwa, weil ich plötzlich Fashionblogs konsumiere, sondern weil die Quelle allen Übels mit mir in einem Büro sitzt: monochrome.

MUSE NET ist das erste Projekt des Startups. Ihr könnt euch monochrome als Agentur für Blogger vorstellen, die mit Bloggen Geld verdienen wollen. Das Fashionblog-Netzwerk MUSE NET soll helfen, Modebloggerinnen beispielsweise gegenüber Werbekunden eine bessere Verhandlungsposition zu geben.

Ich hoffe die Rechnung geht für die Milchmädchen, wie sie MUSE NET selbstironisch nennt, auf. Denn mit mehr Geld werden die Inhalte sicher noch besser, weil mehr Zeit dafür aufgebracht werden kann. Mit entsprechenden Mechanismen innerhalb des Netzwerkes könnten die Blogger trotzdem ihre Unabhängigkeit wahren. Gerade bei Modeblogs kann das nur gut tun.

Ich weiß nicht, ob es bereits Vergleichbares gibt. Die Idee liegt ja eigentlich nicht so fern. Aber wenn nicht, hoffe ich, dass es Nachahmer gibt auch in anderen „Ressorts“. Denn es könnte der Beginn einer neuen Form des Verlegens journalistischer Inhalte sein: Mit Autoren im Mittelpunkt, nicht Magazinen.

Aus dem Giftschrank: Was ich bei der Welle so getrieben habe

Bevor Kollegen, Freunde, Kinder oder andere bösartige Zeitgenossen meine ersten selbstgebauten TV-Beiträge irgendwann aus dem Giftschrank holen: Hier sind sie. Teils komplett selbst gedreht, teils zugedreht, teils komplett aus Fremdmaterial neu geschnibbelt. Viel Spaß.

Roller-Derby: Rugby auf Rollschuhen

Auf dw.de.

Hacking Authism

Auf dw.de.

Erlebnismarktplatz Gidsy

Auf dw.de.

Und hier noch zwei Clips, die aufgrund von Lizenzgedöns, soweit ich das sehe, nicht auf youtube zu finden sind:

Massenphänomen e-Sport

Datenspeicher Cloud

Und im Giftschrank bleiben:

Eigentlich hatte ich noch einen Beitrag über Shitstorms gebaut, insbesondere über das leckere Hähnchen auf der Pril-Flasche. Auf den war ich stolz. Er war aber wohl ein wenig zu verspielt für die Deutsche Welle …

Und den Rest, den muss ich nicht zeigen ;)

*für die grausame Bildqualität auf youtube würde ich mich gerne entschuldigen, kann aber nichts dafür …

Die ZEIT zensiert die Welt

Es folgt ein spontaner, runtergeratterter Ausbruch eines mittlerweile vom teils bodenlosen zweifelhaften inhaltlichen Niveau der ZEIT frustrierten Abonnenten und angehenden Journalisten:

Ja, es ist möglich, Kritik an Google, Amazon, Apple und Facebook zu äußern. Es ist sogar berechtigt. Aber nicht so. Die ZEIT* macht es jedem Konzernsprecher viel zu einfach, den gesamten Auftakt zur angekündigten „losen Folge von Artikeln in verschiedenen Ressorts, die sich in den kommenden Wochen mit den Netzkonzernen befassen“, als lückenhafte und widersprüchliche Panikmache abzutun.

Schon die Überschrift „Vier Sheriffs zensieren die Welt“ (UPDATE 6.8.: jetzt, leicht verändert, auch online)  ist so reißerisch, dass es schwer vorstellbar ist, dass es überhaupt möglich ist, sie durch den Text zu decken. Aber gut.

Der Einstieg mit einem Facebook-Stasi-Vergleich lässt schlucken. Facebook hat vor wenigen Wochen User gefragt, ob Freunde ihre echten Namen angegeben haben. Facebooks Begründung: Ein Test. Statistik. Die ZEIT fragt knallhart nach: „Ein Test? Was für ein Test? Ob Menschen bereitwillig ihre Freunde verraten, wenn eine Software sie dazu auffordert?“ Nein, liebe ZEIT. Wohl eher für den ersten Quartalsbericht. Es ist nämlich durchaus von Interesse für die Aktionäre, wie viele User gefaked sind. Dass die Methode nicht sonderlich geschickt war, ist diskutabel. Aber wer sich in einem Netzwerk anmeldet, das laut AGB Klarnamen verlangt, läuft eben auch Gefahr gelöscht zu werden.

Zweiter Schluckauf: „Amazon: nahm Anfang Juni das „Schwarzbuch WWF“ vorübergehend aus dem Programm“. Gottogott. Ja natürlich! Der WWF hat Unterlassungsansprüche gegen den Konzern geltend gemacht! Die dju wirft korrekterweise dem WWF versuchte Zensur vor. Die dju hat den Zensurvorwurf gegenüber den Händlern vorgemacht. Im Wissen, dass journalistische Angebote, und sicher auch die ZEIT, regelmäßig aus Angst vor juristischen und vor allem geldwerten Konsequenzen die Berichterstattung über bestimmte Promis oder Unternehmen zumindest bis zur Klärung der Rechtslage unterlassen. Niemand würde den Presseorganen vorwerfen, sie betrieben Zensur.

Dann ist Google dran: „filtert die Ergebnisse seiner Suchmaschine weltweit mal nach politischen Vorgaben, mal nach unterstellten persönlichen Interessen der Nutzer. Jedenfalls nicht immer so neutral, wie es das schlichte Weiß der Internetseite suggeriert.“ Soll sie jetzt schwarz sein oder was? Oder in der Lieblingsfarbe des Nutzers? Jeder Zeitungskiosk unterstellt mir als durchschnittlichem Kunden Interessen. Wenn mich der Verkäufer besser kennt und nett sein will, bietet er mir vielleicht auch etwas Besonderes aus seinem Sortiment an. Wenn ich das nicht will, bitte ich ihn freundlich, das zu lassen. Und wenn ich mit der Interessenseinschätzung nicht einverstanden bin, liefert mir bei Google eine Google-Suche („google ohne personalisierung“) an zweiter Stelle eine Anleitung von Google wie ich das deaktivieren kann.

Und weiter geht’s im munteren die Wand schwarz Anmalen. Über Formulierungen wie „autoritäres Disneyland“, „potente Zensurmaschinen“ oder „Gedankenwächter der Gegenwart“ geht es der trägen „Netzgemeinde“ (für mich heißer Kandidat für das Unwort des Jahres) an den Kragen. Die „Shitstorms“ seien zwar heftig, aber im Protest geht den „digital natives“, im Gegensatz zu den heroischen 68ern, „schnell die Puste aus„. Ja, vielleicht, weil die im Gegensatz zu den Autoren begreifen, dass so viel Macht, wie den Konzernen hier zugeschrieben wird, diese gar nicht haben.

Denn, wen es stört, dass Apple Lieder auf dem eigenen Gerät austauscht, die „four letter words“ enthalten, nutzt einfach dessen Sync-Dienste nicht mehr. Wer nackte Brüste oder Kritik an Apple in seinen Apps sehen will, kauft ein anderes Handy oder macht einen Jailbreak (das ist mithilfe einer Suchmaschine für jeden, der Step-for-Step-Anleitungen folgen kann, kein Problem). Es gibt Alternativen. Man findet sie mithilfe von Google. Oder eben jeder anderen Suchmaschine (ja, die findet man auch mit Google). „Franz Kafka schilderte in seinem Prozess, wie ein einzelner Mensch versuchte, sich in einem vernebelten System zurechtzufinden. Im Fall von Apple sind es Millionen von Menschen.“ Ja, Millionen Menschen, die durch fernliegende und schiefe literarische Vergleiche ein bräsiges Pseudo-Bildungsbürgertum pflegen.

Die selbe Unwissenheit spricht aus der Empörung darüber, dass Facebook die Konversationen seiner User maschinell überwacht, vorgeblich um Cyber-Grooming zu verhindern. Ja. Beunruhigende Sache. Ich würde auch gerne meine Mails und Chats verschlüsseln. Weil Facebook mir eben niemals zugesichert hat, das Mitlesen zu unterlassen und Emails so vertraulich sind wie Postkarten. Und Verschlüsselung ist auch auf Facebook möglich (mithilfe eines Chat-Programms wie Adium oder Pidgin, der das Jabber-Protokoll und OTR unterstützt). Aber diese mit der Installation eines einzigen Programms einfache Lösung des Problems wird in keinem derartiger Allgemeine-Massen-Verunsicherungs-Artikeln auch nur ansatzweise erwähnt. Weshalb Leute wie ich ihre Konversationen aufgrund der mangelnden Verbreitung der Programme nicht verschlüsseln können.

Es folgt eine Abhandlung über Brustwarzen und Penisverbote auf Facebook, die wissenschaftlich nicht belegte, im Fall von Facebook sogar einmal widerlegte stichhaltig entkräftete, Geschichte der Filter-Bubble und schließlich der uralte Vorwurf, dass Google während der Street-View Touren Nutzerdaten privater unverschlüsselter Funknetze gesammelt hat und sie trotz entsprechender Aufforderungen durch Staatsorgane noch nicht komplett gelöscht hat. Weiß man, dass Google eine Menge redundanter Backups durchführt, nicht einmal präzise weiß, wie viele Server das Unternehmen zur Zeit hat und welche Daten sich auf welcher Festplatte befinden, kann man durchaus von einem Fehler ausgehen, wie es in einem Brief an den obersten britischen Datenschützer Steve Eckersley heißt. Außerdem: Was soll Google mit zufällig in einem Zeitraum von einer Ampelschaltung abgegriffenen Emails und Chats, wenn es doch Gmail hat? Ja, Peanuts, nicht mehr und nicht weniger. Es ist peinlich. Aber nicht beunruhigend. Außer es wird beunruhigend dargestellt.

Danach wird darüber lamentiert, dass sich Google und Amazon eben doch manchmal staatlichen Autoritäten beugen: Google löscht Nazi-Links in Deutschland und nach einem Gerichtsurteil auch gerne Links auf Foren und Blogs, „die deutsche Behörden und ihre Mitarbeiter betreffen. Worum es dabei ging, ist bis heute unbekannt.“ Aber leicht zu denken. Es wird wohl um Polizisten im Dienst oder Ähnliches gegangen sein. Wenn ich die auf einer Demo ohne Grund von vorne fotografiere, dürfen sie mir, zumindest in Bayern, die Kamera wegnehmen. Berechtigterweise, ich darf ja auch nicht von ihnen herausgezoomt werden, ohne einen rechtfertigenden Verdacht oder eine Gefährdungslage (ja, sie machen es trotzdem, aber ich spreche über die Rechtslage). In totalitären Staaten solle Google teilweise auch dem Druck der Regierungen nachgeben. Ja, stimmt, das tut es aber immer wieder auf recht pfiffige Weise. Gerade führt es den Chinesen aktiv vor Augen, was eigentlich alles mit vermeintlichen Fehlermeldungen durch die chinesische Kontrolle zensiert wird. Und das Amazon die Geschäftsbeziehungen zu Wiki-Leaks abgebrochen hat … Ja, fand ich auch doof. Aber hat es Wikileaks geschadet? Nein! Es kam zum Streisand-Effekt. Es gab unzählige Solidaritäts-Mirrors, die zu einer noch weiteren Verbreitung geführt haben.

Wir „digital natives“ regen uns zu Recht nicht sonderlich engagiert über diese „Sheriffs“ auf. Wir können sie verstehen, können sie und auch mit ihnen umgehen und fühlen uns deshalb auch nicht bedroht und verunsichert. Zumindest nicht so verunsichert wie Zeitgenossen, die schreiben:

„Es gibt keine echte Alternative zu Facebook, keinen ebenbürtigen Konkurrenten zu Google, oder zu Amazon. Apple muss sich bei Telefonen noch mit Samsung auseinandersetzen, aber sobald es um flache Kleinrechner geht, führt kein Weg am Apfel vorbei.

Aus Größe erwächst Macht und daraus Verantwortung.“

Ja, das habe ich zuletzt in Spiderman gehört. Könnte auch aus dem neuen Batman sein. Guter Film. Aber nicht real.

*Ich sage die ZEIT und rede nicht über die Autoren, da ich nicht weiß, wieviel an dem Text vom Autor und wieviel aus den darüber liegenden Redaktionshierarchien stammt, bzw. gedreht oder gestrichen wurde.

UPDATE (6.8.12): Der alarmistische Ton des Artikels lässt sich vielleicht auch dadurch erklären, dass zwei leitende Redakteure des Wirtschaftsressorts der Zeit, in welchem der Artikel erschienen ist, letzten Sommer dieses Buch („Zeitbombe Internet“) veröffentlicht haben.

UPDATE (7.8.12): Sascha Lobo hat in seiner Kolumne auf SPON gemacht, was ich am meisten vermisst habe: einen Alternativvorschlag. Jammern hilft nicht gegen Netz-Sheriffs.

Die Anti-Guttenberg-Partei

Es gibt Texte, die schreiben sich wie von selbst. Das war einer davon. Geschrieben habe ich ihn für die FTD. Wer ihn gerne gelesen hat, könnte sich aber auch für das Projekt meiner Journalistenschulklasse interessieren, auf dem er ebenso veröffentlich wurde: hive

Entgegen aller Unkenrufe wird der Rückzug von Marina Weisband den Piraten nicht schaden. Denn diese Partei funktioniert anders von Felix Victor Münch 

Falls Marina Weisband diesen Kommentar liest, wird sie sich zunächst wohl in doppelter Hinsicht ärgern. Erstens, weil es jetzt schon wieder um sie geht, nicht um Inhalte. Zweitens, weil schon in den ersten drei Sätzen wieder eine Spekulation über ihre Psyche angestellt wird. Um alles falsch zu machen, was Medien aus ihrer Sicht derzeit falsch machen, müsste ich sie auch noch in ihrer Wohnung besuchen und dann über ihre Einrichtung, ihren Freund, ihre Frisur, ihr Lächeln und ihre charmante Art schreiben.
Doch das Thema ist auf dem Tisch. Die von den Medien erkorene Galionsfigur der Piratenpartei macht eine Pause. Sie wird zur Wahl des Geschäftführers der Piratenpartei nicht zur Verfügung stehen. Sie verabschiedet sich nicht aus der Politik, sie tritt nicht aus der Piratenpartei aus, sie hat sich nicht mit Piraten gestritten. Nichts. Nein, sie macht nur eine Pause. Und das aus gutem Grund: Sie will ihre Diplomarbeit schreiben und es geht ihr nicht gut. Jetzt wird von Journalisten viel spekuliert, ob das den Piraten schaden wird.
Wird es nicht. Denn …