Ganz schnell zehn Thesen: #Auslachen statt #Aufschrei

Es wurde bereits zu viel geschrieben zum #Aufschrei. Ich halte mich kurz:

  1. Brüderle ist in meinen Augen kein sexistischer Macho, sondern hat sich peinlich verhalten. Ich schäme mich fremd.
  2. Frauen werden im aktuell vorherrschenden Verhaltensrepertoire eher von Männern angesprochen.
  3. Ein Mann kann nicht wissen, ob eine Frau an ihm interessiert ist Viele Männer fühlen sich nicht in der Lage, zu wissen, ob eine Frau an ihnen interessiert ist, ohne sie anzusprechen.
  4. Viele Männer stellen sich verdammt dumm dabei an und wissen nicht, wann sie aufgeben sollten.
  5. Frauen sollten öfter Männer ansprechen.
  6. Sexismus ist nicht dasselbe wie sexuelle Belästigung.
  7. Sexismus kommt auch gegenüber Männern vor.
  8. Männer lachen meist darüber.
  9. Frauen sollten auch darüber lachen.
  10. Einen sexistischen Macho stört es eher, ausgelacht zu werden, als wenn er unter einem Aufschrei als Sexist bezeichnet wird.

Guten Abend.

Eine Karfreitagsgeschichte

Eine Karfreitagsgeschichte. Zum Glück. Es ist einer meiner Lieblingstexte, von denen, die während meiner Zeit an der Deutschen Journalistenschule entstanden sind. Dieser hier im Rahmen des Zeitungsprojekts „Wir sind im Krieg“. Aber wäre es keine Karfreitagsgeschichte, ich hätte mir noch ewig den Kopf zerbrochen, wann ich ihn auf meine Homepage stelle. Bei der Recherche ließ ich mir auch von den Admins eines Forums für Angehörige von Soldaten helfen. Die stellten meine Anfrage in das verständlicherweise nicht öffentliche Forum. Daraufhin bekam ich eine der bewegendsten Mails meines Lebens. Von einer Angehörigen. Sie beschrieb das Leid der Angehörigen in bedrückender Plastizität und warf mir in den wirkungsvollen Worten der Betroffenen Zynismus vor, wenn ich „mit dem Elend sinnloser Todesfälle“ auch noch Geld verdienen wolle. Nachdem ich ihr den bereits geschriebenen Text zu lesen gab, nahm sie das zwar wieder zurück. Aber zynisch wäre es gewesen, bei diesem Text auf einen aktuellen Anlass zu warten.

Andere kämpfen weiter

Erst um acht Uhr abends erfährt Carmen Bruns, dass ihr Mann tot ist. Es ist Karfreitag. Sie ist mit ihrer zweijährigen Tochter bei Verwandten und war nicht zu Hause, als Militärpfarrer Bernd Göde und der stellvertretende Kommandeur des Bataillons 373 vor ihrer Tür standen. Mittags hatte Pfarrer Göde Bescheid bekommen, dass er sich auf den Weg machen muss.

Unwahrscheinlich heißt immer noch möglich

Wenn Angela Merkel erklärt, die Katastrophe in Japan lehre, dass Risiken, „die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich sind“, ist das in seiner Aussagelosigkeit die Fortsetzung einer euphemistischen Rhetorik, die einem in der Atomdebatte immer wieder begegnet. Absolut unwahrscheinlich ist nicht weniger als unwahrscheinlich. Nicht vollends unwahrscheinlich nicht mehr als unwahrscheinlich. Und unwahrscheinlich ist möglich.

Wenn sie von Dingen spricht, die „nach allen wissenschaftlichen Maßstäben für unmöglich gehalten wurden“, fragt man sich, welche Maßstäbe das sind. 0% Risiko ist selbst im redundantesten Sicherheitskonzept nicht gegeben. Und genau das ist die Zynik, die einer Pro-Atomkraft-Argumentation immer wieder anhaftet: Der größte anzunehmende Unfall ist nicht der größtmögliche. Und auch dessen Wahrscheinlichkeit wird, nach vorhersagbaren Risikofaktoren, die nun mal nicht alle sind, nur so weit heruntergesetzt oder -gerechnet, dass eine kleine Zahl auf dem Papier steht. Diese kleine Zahl abstrahiert das Leid und den Schaden, der im einkalkulierten, wenn auch unwahrscheinlichen Ernstfall angerichtet wird, über Jahrhunderte bestehen bleibt und die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. So wird Menschen doppelt die Anschauung entzogen: Der mögliche Schaden ist zu groß um ihn sich vorzustellen und das innerhalb der Grenzen der menschlichen Weitsicht errechnete Risiko zu klein um es ernst zu nehmen.

Der Betrieb von Atomkraftwerken ist eine Abwägung von Leben gegenüber Wohlstandsüberlegungen in Dimensionen, die zu akzeptieren nun hoffentlich weniger Menschen bereit sind. Der Atomausstieg ist sicher nicht sofort möglich. Andere Länder werden nicht mitziehen. Aber Deutschland muss zeigen, dass es geht. Es war schon so kurz davor.