Zurück in die Zukunft

SIND FACEBOOK-APPS NOCH ZEITGEMÄß?

Fasching Dienstag in Admont.
Kommt ein Indianer in eine Ford-Filiale und fragt die Verkäuferin: „Kann ich diesen Mustang Probe reiten?“ Sagt die: „Gerne, registrieren Sie sich bitte mit Ihrem Facebook-Account.“

Was klingt wie der Beginn eines feuchten Traums Mark Zuckerbergs, ist in Wirklichkeit ein schlechter Witz in Sachen User Experience. Was passiert denn, wenn der Indianer gar keinen Facebook-Account hat?

„Wir müssen den Nutzer da abholen, wo er sich bewegt“ war jahrelang Mantra der Social Media Experten™, um Unternehmen von Facebook zu überzeugen. Diese Weisheit ist zwar Binse, aber nicht falsch und genau deshalb sollten Social Media Experten wie mir™ diese auch konsequent verfolgen – und weiterdenken:

WARUM NUR FACEBOOK?

Klar, immer mehr User sind auf Facebook. Aber einige noch nicht. Und manche wollen dort niemals oder nicht mehr sein. Diese werden aber durch eines der beliebtesten unserer Produkte ausgesperrt: die Facebook Tab- oder Canvas-App. Bei uns wäre wohl die erste Anfrage eines Autoherstellers für eine Aktion, um Probefahrten zu ermöglichen, mit dem Wunsch nach einer Facebook-App verbunden. Warum?

Facebook ist und bleibt ein verdammt mächtiges Marketing- und Kommunikations-Instrument. Der ROI war in Fallstudien der jüngsten Vergangenheit für namhafte Unternehmen, darunter Nestlé, höher als bei TV-Werbung. Zudem ist, trotz aller Gründe dagegen, die Anzahl der Gefällt-mir-Angaben immer noch einer der meistbeachteten KPIs. Um diese für die Präsenz auf Facebook in die Höhe zu treiben, können Facebook-Apps hinter ein Fan-Gate gesteckt werden.

Social-Media- und Online-Abteilung – und somit auch deren Budgets – sind organisatorisch meist noch getrennt. Alternative Lösungen, die möglicherweise die Reichweite einer Kampagne sogar steigern, werden daher häufig gar nicht erst in Betracht gezogen. Dabei wird Social Media oft mit Facebook gleichgesetzt.

Doch bei allem Respekt für Facebook: Wollen wir den Indianer aussperren? Oder deine Mudder? Nein. Wollen wir nicht. Und vielleicht wollen wir entgegen der Richtlinien von Facebook auch mal Nippel sehen.

DARUM AUCH FACEBOOK

Warum diese reinen Facebook-Apps nicht einfach durch eine adäquate, aber bessere Lösung ersetzen? Erst einmal klingt es wie ein Schritt zurück: Microsites. Aber mit Facebook-Connect können sie fast das selbe leisten, in vielen Fällen mehr.

Vorgemacht hat das beispielsweise der Mustang Customizer, der zu den Gewinnern der Facebook Studio Awards 2013 zählt.

Zwar ist die Registrierung hier nur über Facebook möglich und er wurde zusätzlich in einen Facebook-Tab eingebunden. Aber das Format würde es erlauben, ihn in verschiedenen Social Networks zu integrieren oder nur mit einer E-Mail-Adresse teilzunehmen. Facebook Connect erlaubt es den Usern, analog zu einer Facebook-App, gegen ihre Freunde anzutreten und ihre Chancen auf den Gewinn eines selbstkreierten Mustang zu erhöhen.

Dass das Format Microsite deutlich mehr an Branding, Design und Funktionalität erlaubt als eine Facebook-App, zeigt die aktuelle Coca-Cola-Kampagne: The World of AHH. Auf insgesamt über 60 Microsites, wie ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh.com, bekommen die Besucher Lust, eine Coke zu zischen. In der fortlaufenden Kampagne kommen immer mehr Seiten hinzu (ahhhh.com) und auch die User werden nach Ideen gefragt (ahhhhhhhhhhhhhhhhhh.com). Im Gegensatz zum Mustang Customizer sind die Seiten zuallererst mobil gedacht und bedienen sich dort sogar der Neigungs-Sensoren des iPhones. Einen Facebook-, Google+- oder Twitter-Connect konnten ich noch nicht entdecken. Aber es wäre verschenktes Potential, die eine oder andere Microsite, beispielsweise bei kompetitiven Spielen (ahhhhhhhhhh.com), nicht damit anzureichern.

INDIANER@EWIGE-JAGDGRÜN.DE

Ein Tweet-, Like- oder Share-Button allein ist sowas von 2009. Und Apps innerhalb von Facebook sind eben auch nicht mehr ganz frisch: Mittlerweile bieten alle großen sozialen Netzwerke, selbst XING, eine umfangreiche API. Über diese lassen sich Websites, sei es eine kleine Kampagnenseite, ein Foto-Wettbewerb via Instagram, eine News-Seite, ein Rezeptboard oder ein komplexer Online-Shop, reibungslos in diese sozialen Netzwerke integrieren – und dem Indianer bleibt die Möglichkeit, nur mit einer Email-Adresse und einem Scan seines Führerscheins in den Mustang zu kommen. Sorry, Mark.

FYI: Diesen Text habe ich eigentlich für den Blog meiner Agentur geschrieben, er stellt aber glücklicherweise zu hundert Prozent meine eigene Meinung dar.
 
Foto: cc-licensed by-nc-sa by Gottfried Maurer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *