Unwahrscheinlich heißt immer noch möglich

Wenn Angela Merkel erklärt, die Katastrophe in Japan lehre, dass Risiken, „die für absolut unwahrscheinlich gehalten wurden, doch nicht vollends unwahrscheinlich sind“, ist das in seiner Aussagelosigkeit die Fortsetzung einer euphemistischen Rhetorik, die einem in der Atomdebatte immer wieder begegnet. Absolut unwahrscheinlich ist nicht weniger als unwahrscheinlich. Nicht vollends unwahrscheinlich nicht mehr als unwahrscheinlich. Und unwahrscheinlich ist möglich.

Wenn sie von Dingen spricht, die „nach allen wissenschaftlichen Maßstäben für unmöglich gehalten wurden“, fragt man sich, welche Maßstäbe das sind. 0% Risiko ist selbst im redundantesten Sicherheitskonzept nicht gegeben. Und genau das ist die Zynik, die einer Pro-Atomkraft-Argumentation immer wieder anhaftet: Der größte anzunehmende Unfall ist nicht der größtmögliche. Und auch dessen Wahrscheinlichkeit wird, nach vorhersagbaren Risikofaktoren, die nun mal nicht alle sind, nur so weit heruntergesetzt oder -gerechnet, dass eine kleine Zahl auf dem Papier steht. Diese kleine Zahl abstrahiert das Leid und den Schaden, der im einkalkulierten, wenn auch unwahrscheinlichen Ernstfall angerichtet wird, über Jahrhunderte bestehen bleibt und die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. So wird Menschen doppelt die Anschauung entzogen: Der mögliche Schaden ist zu groß um ihn sich vorzustellen und das innerhalb der Grenzen der menschlichen Weitsicht errechnete Risiko zu klein um es ernst zu nehmen.

Der Betrieb von Atomkraftwerken ist eine Abwägung von Leben gegenüber Wohlstandsüberlegungen in Dimensionen, die zu akzeptieren nun hoffentlich weniger Menschen bereit sind. Der Atomausstieg ist sicher nicht sofort möglich. Andere Länder werden nicht mitziehen. Aber Deutschland muss zeigen, dass es geht. Es war schon so kurz davor.

Musik zum Sonntag 2 – Powell – Beatnicks Tape

das gefühl, wenn ein gedanke in die leere läuft und deswegen immer wieder von vorne beginnt ist in etwa vergleichbar mit dem, was dieses tape beim hören immer wieder hervorruft, wenn ein sample immer wieder in die leere läuft und deswegen immer wieder von vorne beginnt, ist in etwa vergleichbar mit dem, was jeder einzelne track beim hören immer wieder hervorruft, wenn man wieder gegen die wand einer musikalischen idee oder eines beats gefahren wurde und deswegen dieses tape immer wieder hört; dieses tape, nennen wir das genre progressive trance, vielleicht glitch hop, lebt durch das unglaubliche gefühl für timing, das powell, französischer producer und dj aus orleans, derzeit in paris, an den tag legt, wenn er musikalische versätze ins leere führt, und immer wieder von vorne beginnt und das gefühl erzeugt, wenn ein gedanke ins leere läuft und deswegen immer wieder von vorne beginnt und dabei das hirn einmal kalt duschen geht.

Hier kostenlos und legal runterladen: http://www.lastfm.de/music/Powell/Beatnicks%2520Tape%2520%252302%2520-%2520Po…

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Musik zum Sonntag 1 – Trombone Shorty – Backatown

Tromboneshorty

(Bild: http://www.lastfm.de/music/Trombone+Shorty/+images/50717475 )

Trombone Shorty. Der Name ist schnell zu erklären: Trombone ist das Instrument, Shorty der kleine Stöpsel als der er mit 4 Jahren bereits an diesem zugange war.

Die gut 20 Jahre seitdem hat er gut genutzt und jetzt brillierte er 2010 auf seinem Debutalbum „Backatown“ mit mitreißendem Jazz-Funk-Rock. Doch selbst diese weit gefasste Bezeichnung trifft nicht zu. Der von ihm „Supafunkrock“ getaufte Stil vereint Funk und Jazz-Elemente mit rockigen Gitarrenriffs und soulhaften Gesangseinlagen. Zwischendrin (z.B. bei „In The 6th“) meint man auch Anklänge von Balkan-Beats zu erkennen. Dabei ist Shorty zwar der Star des Albums, seine Band „Orleans Avenue“ ist aber stets unglaublich präsent und liefert ein konzertantes Erlebnis, das seinesgleichen sucht. Einen so tanzbaren und dennoch das Musik-Hirn ansprechenden Crossover habe ich schon lange nicht mehr gehört.

Albumrezension in einem Satz: Würde Marcus Miller Trombone spielen, hieße er Shorty.

Enter The Void

Gestern im Werkstattkino: Das krasseste Kinoerlebnis an das ich mich erinnern kann. Intensivste audiovisuelle Überbelastung über fast drei Stunden hinweg. Wenig Story, aber emotional unangenehmer, schaurig schöner Tiefgang in beklemmender Großstadt-Neon-Trip-Optik. Absolut sehenswert. Auch wenn es wohl nicht jedermanns Sache ist. Beim Ansehen: Leinwandpflicht!

Hier noch zwei treffende Kritiken:
http://www.kino-zeit.de/filme/enter-the-void
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,713763,00.html